Der Welpe zieht frisch ins Haus und die Freude des Menschen auf den Hund ist groß. Es wird mit dem Welpen gespielt. Das Spiel wird immer wilder und die Erregung des Welpen steigt. Der Welpe fängt an in die Hände und Klamotten des Menschen zu beißen. Die Zähne des Welpen sind jedoch scharf und tun weh, weshalb der Mensch anfängt den Welpen abzuwehren. Das Abwehren führt aber dazu, dass die Erregung des Welpen noch weiter ansteigt und das Beißen des Welpen wird heftiger. Die hohe Erregung des Welpen führt zu unerwünschtem Verhalten. Ein solches Szenario kann nicht nur bei Welpen beobachten werden. Springt ein Hund bei Begrüßungen andere Menschen an und diese versuchen ihn abzuwehren, steigt die Erregung des Hundes durch das Abwehren weiter an. Das unerwünschte Verhalten des Hundes nimmt daraufhin zu – der Mensch wird noch mehr angesprungen und es werden gegebenenfalls die Zähne eingesetzt.

Was für einen Einfluss eine hohe Erregung haben kann, konnte ich ebenfalls deutlich vor Kurzem bei einem Besuch von Bekannten beobachten. Der Hund musste jeden Tag einige Stunden am Tag alleine verbringen. Bevor der Hund jedoch alleine gelassen wurde, wurde mit dem Hund kurz vorher spazieren gegangen und gespielt – schließlich sollte der Hund ausgelastet werden. Die Erregung des Hundes stieg dabei stark an und es wurde nicht darauf geachtet, die Erregung wieder zu senken. Da der Hund in dieser starken Erregung verblieben war, war er dementsprechend frustriert, sobald er allein gelassen wurde. Dies führte schließlich dazu, dass er bis zur Erschöpfung 15 Minuten lang an der Tür hoch sprang und anfing Sachen in seinem Umfeld zu zerstören. Sein zerstörerisches Verhalten hatte jedoch nichts mit einer Unterbeschäftigung zu tun, sondern mit einer zu hohen Erregung. So verschwand das zerstörerische Verhalten vollständig, nachdem die Besitzer darauf geachtet hatten, dass der Hund nicht in einem erregten Zustand zurückgelassen wurde. Unterstütz wurde das Ganze zusätzlich durch entspannende Beschäftigungen, die der Hund in Abwesenheit des Besitzer ausführen konnte. Auch das Hochspringen an der Tür verschwand fast vollständig innerhalb von wenigen Tagen.

Das Problem mit der zu hohen Erregung

Eine gewisse Erregung des Hundes kann beim Lernen von verschiedenen Sachen nützlich sein und zu schnellerem Lernen führen. Wird ein Hund für gutes Verhalten belohnt, so wird er das Verhalten öfter und schneller zeigen, je besser die Belohnung ist. Eine bessere Belohnung führt zu einer höheren Erregung. Eine gewisse Erregung kann also in der Hundeerziehung nützlich sein.
Steigt jedoch die Erregung des Hundes zu stark an, so kann häufig beobachtet werden, dass der Hund anfängt unerwünschtes Verhalten zu zeigen. So kann z. B. in einem stark erregenden positiven Spiel zwischen Hunden beobachtet werden, dass mit steigender Erregung die Stimmung der Hunde schnell kippen kann. Bei steigender Erregung nimmt die Kommunikation der Hunde im Spiel untereinander ab und es kommt zu Missverständnissen. Des Weiteren führt eine hohe Erregung schneller zu grobem und schmerzerzeugendem Verhalten, was schließlich zu Aggressionen unter den Hunden führen kann. Dieses Kippen des Spiels kommt dabei auch unter Hunden vor, die seit langer Zeit gemeinsam in einem Haushalt wohnen.

Der Hund ist also bei einer zu starken Erregung nicht mehr in der Lage über sein Handeln nachzudenken und sich zurück zu nehmen – er handelt impulsiv und nicht denkend. Ein Lernen ist in diesem Zustand für den Hund nicht mehr möglich. Neben der fehlenden Impulskontrolle, ist der Hund ebenfalls schneller frustriert, was wiederum die Erregung weiter steigert. Als Folge wird aggressives Verhalten begünstigt. Oft kann auch bei Hunden beobachtet werden, dass diese mit steigender Erregung schneller und stärker aggressiv reagieren. Ist die Erregung viel zu hoch, so können sogar Aggressionen ohne Vorwarnung auftreten. Neben den genannten Punkten kann eine zu hohe Erregung außerdem Ressourcenverteidigung, Jagdverhalten, Zerstörung von Gegenständen und Mobbing von andern Hunden auslösen.

Unerwünschtes Verhalten des Hundes kann daher häufig mit einer starken Erregung des Hundes in Zusammenhang gebracht werden. Aus diesem Grund sollte die Erregung des Hundes stets im Auge behalten und gegebenenfalls gesenkt werden, um unerwünschtes Verhalten zu verhindern. Der Gegenspieler von Erregung ist dabei die Entspannung. Um die Erregung zu senken, wird daher häufig ebenfalls die Entspannung im Training von unerwünschtem Verhalten eingesetzt. Um den Hund zu entspannen gibt es dabei unterschiedliche Möglichkeiten. So kann der Hund z. B. durch ruhiges Streicheln oder Massieren beruhigt werden. Dies setzt jedoch voraus, dass der Hund sich in dem Moment anfassen lässt. Häufig besteht das Problem, dass Hunde in einigen erregenden Situationen nicht gerne angefasst werden wollen. Weiterhin können Kauartikel oder z. B. Leberwurst zum Schlecken angeboten werden, da Kauen und Schlecken den Hund beruhigen. Dieses Phänomen kann nicht nur bei Hunden, sondern auch bei Menschen beobachtet werden. So kauen z. B. Menschen Kaugummi, um sich selbst zu beruhigen und besser zu konzentrieren. Neben Kauartikeln kann ebenfalls Futter weitflächig gestreut werden, sodass der Hund mit der Nase nach dem Futter suchen muss. Die Suche nach dem Futter erfordert dabei die Konzentration des Hundes, was wiederum zu einer Abnahme der Erregung führt. Des Weiteren kann die Entspannung des Hundes über Dehnungsübungen, isometrische Übungen oder über konditionierte Entspannung gefördert werden.

Wird also das Erregungslevel des Hundes stets im Auge behalten und darauf geachtet, dass es nicht zu hoch steigt oder gegebenenfalls wieder gesenkt wird, so tritt unerwünschtes Verhalten seltener auf. Dabei sollte jedoch auch darauf geachtet werden, dass Erregung nicht grundsätzlich schlecht ist, sondern erst ab einem gewissen Maß zu unerwünschtem Verhalten führen kann. Eine gewisser Grad an Erregung des Hundes ist hingegen für das Lernen förderlich und notwendig.